Bei seinem zweiten Auftritt im sachsen-anhaltischen Wahlkampf hat Bundeskanzler Friedrich Merz ein deutliches Warnsignal gesendet. Gemeinsam mit Ministerpräsident Sven Schulze besuchte der CDU-Chef am Donnerstag (3. September) die UPM-Bioraffinerie in Leuna. Dort malte er düstere wirtschaftliche und gesellschaftliche Szenarien für den Fall einer AfD-geführten Landesregierung an die Wand.
Um seine Botschaft zu untermauern, richtete er einen klaren Appell an die Bevölkerung. „Wer möchte, dass Deutschland ein offenes und liberales Land bleibt, und wer möchte, dass Sachsen-Anhalt ein interessanter, auch europäisch interessanter Standort bleibt, der darf am Sonntag nicht die AfD wählen“, betonte Merz vor Ort. Am kommenden Sonntag sind die Menschen in Sachsen-Anhalt zur Wahl des Landtags aufgerufen. Aktuelle Umfragen sehen die AfD derzeit mit deutlichem Vorsprung auf dem ersten Platz, sogar eine absolute Mehrheit scheint im Bereich des Möglichen.
📌 Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September 2026 statt. Bei der Wahl zum 9. Landtag werden die Abgeordneten für die kommenden fünf Jahre bestimmt. In den letzten Umfragen vor der Wahl (wie dem Sachsen-Anhalt-Trend) liegt die AfD deutlich an der Spitze, gefolgt von der CDU. Neben AfD und CDU werden laut Umfragen auch Die Linke, die SPD sowie die Grünen als Parteien im Parlament gehandelt.
Kein Kontakt zur Basis auf der Wahlkampftour
Trotz der brisanten Ausgangslage suchte der Bundeskanzler das Gespräch mit den normalen Wählern überhaupt nicht. Abgesehen von einer Handvoll Mitarbeitern der Raffinerie blieb Merz völlig abgeschottet. Seine Gesprächspartner beschränkten sich ausschließlich auf die Geschäftsführung sowie den Betriebsrat des Unternehmens. Journalisten durften nach einem gemeinsamen Statement vor den laufenden Kameras ebenfalls keine Fragen stellen.
Bereits am Montag hatte sich ein ähnliches Bild abgezeichnet. Knapp eine Woche vor der entscheidenden Abstimmung absolvierte Merz seinen ersten Wahlkampftermin in Quedlinburg, der Geburtsstadt von Sven Schulze. Auch im Harz traf sich der Parteivorsitzende lediglich mit Landtagsabgeordneten und regionalen Amtsträgern. Begegnungen mit den Bürgern auf der Straße standen dort ebenso wenig auf dem Programm wie in Leuna.
Scharfe Kritik am europapolitischen Kurs
In Leuna knöpfte sich der CDU-Chef besonders die europapolitischen Vorstellungen der politischen Konkurrenz vor. Er warf der AfD vor, den wirtschaftlichen Erfolg der Region massiv zu gefährden. „Wer wie die AfD aus dem Binnenmarkt raus will, aus Schengen raus will, aus der Europäischen Union raus will, der stellt solche Projekte, wie sie hier hinter uns entstehen, von Grund auf infrage“, erklärte Merz. Er fügte hinzu: „Und genau das wollen wir verhindern.“
Das Unternehmen UPM hat an diesem Standort rund 1,3 Milliarden Euro in die Hand genommen. Ziel der gewaltigen Investition ist die Umwandlung von Holz in Basischemikalien. Die AfD betrachtet die Europäische Union zwar äußerst skeptisch. In ihrem Programm für die Bundestagswahl 2025 taucht die Forderung nach einem direkten Austritt aus der EU zuletzt allerdings nicht mehr ausdrücklich auf.
In einem TV-Auftritt verlor der Kanzler zuletzt vollkommen die Fassung. Er fühlte sich von der Kritik einer Kinderärztin angegriffen – und reagierte deutlich.
