Ulrich Siegmund verkauft sich im Wahlkampf als freundlicher „Uli“. Er lächelt für Selfies und verspricht, dass „alles gut“ werde. Hinter dieser Wohlfühlkampagne stehen jedoch Männer mit Biografien in einer verbotenen Neonazi-Organisation. Andere kommen aus dem aktiven rechtsextremen Milieu. Siegmund kennt viele dieser Lebensläufe – und hält trotzdem an den Leuten fest.
Besonders brisant: Einige dieser Männer arbeiten nicht irgendwo am Rand der Partei. Sie organisieren Siegmunds Wahlkampf oder produzieren seine Bilder. Ein mehrfach verurteilter Neonazi bekommt öffentlich Schulterklopfer. Siegmund selbst hat außerdem die Einstellung eines Rechtsextremen vorgeschlagen. Und aus heutigen Helfern könnten nach einem Wahlsieg morgige Amtsträger werden.
📌 Was du über Ulrich Siegmund noch nicht wusstest: Das Gymnasium verließ Siegmund nach Klasse elf mit Fachhochschulreife. Er arbeitete in einer Berliner Augenklinik. 2017 trat er aus der katholischen Kirche aus. Er ließ sich in Wien zum Kaffeesommelier ausbilden.
Patrick Harr
Patrick Harr ist kein Hinterbänkler. Er ist Fraktionsgeschäftsführer und Pressesprecher, außerdem Landesparteisprecher und Wahlkampfleiter. Siegmund erklärte öffentlich, ohne Harr wäre „das alles nicht möglich“. Correctiv zufolge begleitete Harr ihn zudem zum berüchtigten Potsdamer Treffen 2023.
Die Vergangenheit seines engsten Strategen führt direkt in eine verbotene Neonazi-Organisation. Harr gehörte der HDJ an. Ein „Funkenflug“-Heft aus dem Jahr 2002 führt ihn bei der „Abteilung Beschaffung“. Die HDJ betrieb sogenannte Rassenkundeschulungen und wurde später wegen ihrer Nähe zur NS-Ideologie verboten. Jetzt wird Harr für eine Schlüsselposition in einer möglichen Staatskanzlei gehandelt.
Laurens Nothdurft
Bei Laurens Nothdurft geht es noch tiefer in die HDJ-Strukturen. Er war ab 1999 „Zweiter Bundesführer“ und übernahm die Organisation zeitweise sogar kommissarisch. Das war eine Führungsfunktion, weit entfernt von einer beiläufigen Teilnahme an irgendwelchen Jugendlagern. Nothdurft verantwortete zudem die Mitgliederzeitschrift.
Heute ist er Justiziar der AfD-Fraktion und vertrat Siegmund persönlich vor Gericht. Siegmund bezeichnet ihn als „hervorragenden Juristen“. Nothdurft distanziert sich inzwischen von nationalsozialistischem Gedankengut. Trotzdem ist die mögliche Zukunft bemerkenswert: Er wird als Staatssekretär im Justizministerium gehandelt – ein früherer Führungskader einer verbotenen Neonazi-Organisation könnte damit Einfluss auf die Justizverwaltung bekommen.
Felix Willer
Auch Nothdurfts Bruder Felix Willer war in der HDJ aktiv. Nach Recherchen von Welt und Correctiv arbeitete er dort zeitweise in verantwortlicher Funktion. Heute ist er Mitarbeiter der AfD-Landtagsfraktion.
Damit endet die Geschichte erneut nicht bei einer Jahrzehnte zurückliegenden Mitgliedschaft. Willer arbeitete nach Welt-Recherchen am Regierungsprogramm der Partei mit. Ein früherer Mann aus einer verbotenen Neonazi-Struktur gestaltet heute also Inhalte für eine Partei, die kurz vor der Übernahme staatlicher Macht stehen könnte.
Eric Kaden
Eric Kaden ist ein weiterer ehemaliger HDJ-Mann in der AfD-Fraktion. Er arbeitet dort als Referent für Bildung und Kultur. Seine Vergangenheit beschränkt sich ebenfalls nicht auf eine bloße Mitgliedschaft. Ein Behördenpapier von 2008 brachte ihn mit einer zentralen Kontaktstruktur der Organisation in Verbindung.
Besonders drastisch ist seine publizistische Vorgeschichte. Kaden schrieb eine Biografie über Waffen-SS-Mann Kurt Eggers. Die Bundesprüfstelle indizierte das Werk und bewertete es laut ZDF als „Huldigung an den Nationalsozialismus in all seinen Facetten“. Fragen zu seiner HDJ-Vergangenheit beantwortete Kaden dem Sender nicht.
Dorian S.
Bei Dorian S. kann sich Siegmund kaum auf ein weit entferntes Umfeld berufen. MDR Investigativ bezeichnet ihn ausdrücklich als rechtsextremen Aktivisten. Er war zunächst bei den „Autonomen Nationalisten“ aktiv, später bei der Identitären Bewegung. Die damaligen „Autonomen Nationalisten“ ordnete der Verfassungsschutz der militanten Neonazi-Szene zu.
Seit 2025 betreut Dorian S. die Homepage der Landes-AfD. Der entscheidende Punkt: Nach MDR-Recherchen schlug Siegmund persönlich seine Einstellung vor. Auf die Frage, wie das mit der eigenen Unvereinbarkeitsliste zusammenpasst, antwortete die Partei nicht. Sie erklärte lediglich, Personal werde besonders nach „Vertrauen“ ausgewählt.
Simon Kaupert
Simon Kaupert ist einer der Männer, die aus Siegmund den lächelnden Social-Media-Star machen. Er leitet das „Filmkunstkollektiv“, das professionelle Fotos und Videos für dessen Kampagne produziert. Siegmund nennt dessen Arbeit „hervorragend“. Die Bilder sind ein zentraler Teil seiner Inszenierung als sympathischer Kumpel-Kandidat.
Kaupert bewegt sich seit Jahren im rechtsextremen Vorfeld. Er nahm an einem Lager des NPD-Nachwuchses teil und arbeitete später für „Ein Prozent“. Zudem war er in der Identitären Bewegung aktiv. Das bedeutet: Ein Mann aus dem organisierten rechten Vorfeld hilft aktiv dabei, Siegmunds bürgerliches Wahlkampfimage zu produzieren.
Torsten Görke
Torsten Görke ist ebenfalls fest mit diesem Medienapparat verbunden. Er sitzt im Vorstand des Filmkunstkollektivs und betreibt Siegmunds Wahlkampfshop. Beim AfD-Parteitag verkaufte er Shirts mit dem Gesicht des Spitzenkandidaten.
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Görke ist seit Jahren in Strukturen der Identitären Bewegung aktiv. Correctiv nennt ihn außerdem als Mitgründer von „Schanze Eins“, das der niedersächsische Verfassungsschutz als mutmaßliche Finanzierungsstruktur der rechtsextremen IB einordnet. Siegmunds Merchandise liegt damit ebenfalls in Händen eines Mannes aus dem rechtsextremen Vorfeld.
Dennis Braun
Dennis Braun tritt unter dem Namen „ArminiusDD“ auf und ist Aktivist der Identitären Bewegung. Er demonstriert nicht nur mit. Correctiv dokumentiert auch seine Beteiligung an politischen Aktionen der Szene.
Für Siegmund steht Braun gleichzeitig hinter der Kamera. Nach eigenen Angaben zog er sogar von Bayern nach Sachsen-Anhalt. Noch im August war er gemeinsam mit Martin Sellner in Ceuta, um ein „Remigration“-Banner auszurollen. Wenig später produziert derselbe Aktivist Bilder für den freundlichen „Uli“.
Jannis George
Jannis George gehört ebenfalls zum Kamerateam. Er nahm an Veranstaltungen und Trainingslagern der Identitären Bewegung teil. Für Siegmund filmte er mehrfach Wahlkampfauftritte. Correctiv zeigt ihn im direkten Gespräch mit dem Spitzenkandidaten.
George wurde vom Amtsgericht wegen Volksverhetzung und Hausfriedensbruchs zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Allerdings ist dieses Urteil noch nicht rechtskräftig, weil er Berufung eingelegt hat. Einen Hausausweis für den Bundestag erhielt er nach einer Sicherheitsüberprüfung ebenfalls nicht.
Dirk Nahrath
Dirk Nahraths Biografie führt noch weiter zurück in klassische Neonazi-Strukturen. Er gehört zum Gründungsumfeld des Filmkunstkollektivs. Früher war er „Gauführer“ der 1994 verbotenen Wiking-Jugend. Danach soll er mit seiner Familie einen HDJ-Bereich geführt haben.
Damit reicht das personelle Geflecht hinter Siegmunds Medienapparat über Jahrzehnte rechtsextremer Organisationsgeschichte zurück. Bei Nahrath ist die Abgrenzung wichtig: Eine enge persönliche Freundschaft mit Siegmund ist nicht belegt. Dokumentiert ist seine Rolle in der Struktur, die Siegmunds politische Inszenierung produziert.
Paul Klemm
Paul Klemm sitzt ebenfalls im Umfeld des Filmkunstkollektivs. Die Zeit nennt ihn gemeinsam mit Görke als Mitglied des Gründungsvorstands und ordnet beide der Identitären Bewegung zu.
Klemm arbeitet zudem für „Compact“. Auch hier geht es weniger um eine nachgewiesene persönliche Freundschaft zu Siegmund. Seine Bedeutung liegt in der Medienstruktur: Aktivisten aus der organisierten extremen Rechten produzieren das Material, mit dem Siegmund täglich Hunderttausende Menschen erreicht.
Matthäus Westfal
Matthäus Westfal alias „Aktivist Mann“ zieht im Wahlkampf von Siegmund-Veranstaltung zu Siegmund-Veranstaltung. Einen Auftrag oder eine Bezahlung bestreitet Siegmund. Gleichzeitig lobt er dessen stundenlange Livestreams ausdrücklich als wichtig.
Westfal stand 2020 beim Versuch, zum Reichstagsgebäude vorzudringen, in vorderster Reihe. Der NRW-Verfassungsschutz bezeichnete ihn später als relevanten Multiplikator mit Kontakten weit in die rechtsextreme Szene. Im aktuellen Wahlkampf verfolgte er Journalisten, brüllte sie an und rempelte einen Reporter an. Erst danach griff die AfD mäßigend ein.
Sebastian Schmidtke
Bei Sebastian Schmidtke wird aus problematischer Nähe eine besonders drastische Szene. Welt bezeichnet den früheren NPD-Vize ausdrücklich als „mehrfach verurteilten Neonazi“. Heute tritt Schmidtke als Streamer auf. Die Bundes-AfD akkreditierte ihn sogar als Journalisten.
Siegmund ging beim Parteitag vertraut auf ihn zu, legte ihm die Hand auf die Schulter und lobte seine Arbeit: „Mach weiter so!“ Das ist kein zufälliges Foto aus einer Menschenmenge. Es ist die öffentliche Anerkennung eines mehrfach verurteilten Neonazis durch den Mann, der Ministerpräsident werden will.
Hans-Thomas Tillschneider
Hans-Thomas Tillschneider gehört nicht zum versteckten Vorfeld. Er sitzt mitten im politischen Machtzentrum. Panorama bezeichnet ihn als geistigen Vater des Regierungsprogramms. Er formuliert damit einen wesentlichen Teil dessen, was Siegmund nach einem Wahlsieg umsetzen will.
Tillschneider spricht davon, dass aus der NS-Zeit ein angeblicher „Schuldkomplex“ konstruiert worden sei. Das Programm übernimmt den Begriff. Panorama weist darauf hin, dass solche Begriffe in der extremen Rechten zur Delegitimierung der Erinnerung an die NS-Verbrechen verwendet werden. Tillschneider wird für ein mögliches Bildungs- oder Kulturressort gehandelt. Seine Russland-Tasse sorgte zuletzt für Aufsehen.
Oliver Kirchner
Oliver Kirchner ist ein langjähriger Weggefährte Siegmunds und dessen Co-Fraktionschef. Siegmund selbst bezeichnet ihn als guten Freund. Kirchner gehört damit zum eigentlichen Machtkern des Landesverbands.
Sollte die AfD tatsächlich allein regieren können, zählt Kirchner zu den naheliegenden Kandidaten für eine Regierungsfunktion. Er ist kein „Hintermann“ aus dem Neonazi-Vorfeld, sondern Teil der politischen Führung, die das System Siegmund trägt.
Martin Reichardt
Martin Reichardt steht seit Jahren an der Spitze der Landes-AfD und sitzt im Bundestag. Bei einer Regierungsübernahme gilt auch er als möglicher Minister. Er gehört damit zu den Männern, die aus dem bisherigen Parteiapparat direkt in die Exekutive wechseln könnten.
Zudem führt eine familiäre Verbindung zu Siegmund: Dessen Vater Andreas arbeitete nach Correctiv-Recherchen früher für Reichardt. Der Landeschef taucht damit sowohl im politischen Machtzentrum als auch in der Affäre um gegenseitige Beschäftigungen von Angehörigen auf.
Andreas Siegmund
Ulrich Siegmunds Vater Andreas gehört zum Familiengeflecht der Partei. Er arbeitete bereits für mehrere AfD-Abgeordnete. Aktuell ist er bei Bundestagsabgeordnetem Thomas Korell beschäftigt. Zeitweise erhielt er dort nach ZDF-Recherchen bis zu 7.725 Euro monatlich.
Ulrich Siegmund verteidigt solche Konstruktionen offensiv. Für ihn sei „Vertrauen“ entscheidend. Die Überkreuz-Anstellungen sind grundsätzlich legal. Politisch werfen sie trotzdem die Frage auf, wie selbstverständlich in diesem Landesverband öffentliche Mitarbeiterstellen im engen Partei- und Familienkreis vergeben werden.
Thomas Korell
Thomas Korell beschäftigt Andreas Siegmund in seinem Bundestagsbüro. Zugleich taucht sein Büro bei weiteren familiären Verbindungen auf. Auch die Eltern von Matthias Büttner arbeiten laut ZDF dort. Ein Schwager von Tobias Rausch fand ebenfalls bei Korell Beschäftigung.
Illegal sind solche Anstellungen nicht automatisch. Der politische Vorwurf lautet vielmehr: Angehörige von Parteifreunden werden über Kreuz eingestellt und aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Selbst AfD-Bundeschef Tino Chrupalla sprach in diesem Zusammenhang von einem „Geschmäckle“.
Matthias Büttner
Auch Matthias Büttner ist Bestandteil dieses Geflechts. Siegmunds Vater arbeitete früher für ihn. Büttners eigene Eltern wiederum sind nach ZDF-Recherchen bei Thomas Korell beschäftigt.
Damit wird aus einer einzelnen Familienanstellung ein größeres Muster. Mehrere Politiker beschäftigen Angehörige von Parteifreunden. Genau deshalb sprechen Medien von einem Vetternwirtschafts-Vorwurf und nicht lediglich von einem ungewöhnlichen Einzelfall.
Tobias Rausch
Tobias Rausch ist Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion. Drei seiner Geschwister arbeiten nach bestätigten Recherchen bei Bundestagsabgeordneter Claudia Weiss. Seine Partnerin soll wiederum bei der Landtagsfraktion beschäftigt sein.
Auch Rauschs Schwager taucht im Netz der Mitarbeiterstellen auf: bei Thomas Korell. Wieder gilt die rechtliche Einschränkung, dass solche Überkreuz-Anstellungen grundsätzlich zulässig sind. Die Häufung macht sie politisch dennoch brisant.
Claudia Weiss
Claudia Weiss beschäftigt drei Geschwister von Tobias Rausch. Ihre eigene Tochter arbeitet wiederum nach Recherchen von ZDF und Die Zeit für die AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt.
Damit funktioniert das System in beide Richtungen. Gerade eine Partei, die sich gern als Kämpferin gegen politische Eliten und vermeintlichen Filz inszeniert, muss sich die Frage gefallen lassen, warum so viele Stellen im vertrauten Familien- und Parteiumfeld landen.
Jan Moldenhauer
Jan Moldenhauer taucht ebenfalls in den Recherchen zu den Personalverflechtungen auf. Nach Correctiv-Informationen arbeitet seine mutmaßliche Lebensgefährtin für die AfD-Landtagsfraktion. Die Fraktion machte zu Beziehungsverhältnissen und Vertragsdetails keine Angaben.
Separat berichteten ARD und MDR im August, dass Moldenhauer gemeinsam mit einem Fraktionskollegen insgesamt 15 Mitarbeiter beschäftigt. Die Abgeordneten beantworteten Fragen dazu, wo diese Menschen arbeiten und welche Aufgaben sie erledigen, nicht. Einen Rechtsverstoß belegt das nicht. Es verstärkt aber die Fragen rund um Personal und Kontrolle.
Simon Lansmann
Simon Lansmann steht wegen eines ganz anderen Vorgangs im Fokus. Ermittler durchsuchten Ende August Objekte im Zusammenhang mit dem Verdacht, die verbotene Neonazi-Vereinigung „Artgemeinschaft“ werde fortgeführt. Betroffen war auch Lansmann, der für die AfD zur Landtagswahl antritt.
Auf seinem Grundstück soll zuvor eine Sonnenwendfeier stattgefunden haben, an der Menschen aus dem „Artgemeinschaft“-Milieu teilnahmen. Lansmann bestreitet, dass dort die Vereinigung fortgeführt wurde, und distanziert sich von deren Ideologie. Eine Verurteilung gibt es nicht. Das Ermittlungsverfahren muss deshalb klar als Verdacht behandelt werden.
Sebastian Koch
Auch AfD-Politiker Sebastian Koch war von den Ermittlungsmaßnahmen betroffen. Er soll ebenfalls bei der betreffenden Sonnenwendfeier gewesen sein. Sein Anwalt erklärt, Koch sei niemals Mitglied der „Artgemeinschaft“ gewesen und habe sich von deren Ideologie distanziert.
Für Siegmunds Umfeld ist Koch dennoch relevant. Er kandidiert auf einem aussichtsreichen Listenplatz und trat im Wahlkampf gemeinsam mit dem Spitzenkandidaten auf. Solange die Ermittlungen laufen, verbietet sich die Bezeichnung als Straftäter. Politisch bleibt die Verbindung zu einem solchen Ermittlungsverfahren trotzdem brisant.
Martin Sellner
Martin Sellner gehört nicht zu Siegmunds Personal. Trotzdem führt kaum ein Weg am österreichischen Rechtsextremisten vorbei. Siegmund saß 2023 beim Potsdamer Treffen im selben Raum, als Sellner sein „Remigrations“-Konzept präsentierte.
Siegmund bezeichnet die Zusammenkunft heute als „Potsdamer Kaffeekränzchen“. Correctiv berichtet dagegen, dass er dort sein eigenes politisches Konzept vorstellte und um Unterstützung für Wahlwerbung warb. Eine fortdauernde persönliche Freundschaft zu Sellner ist nicht belegt. Die politische Begegnung war jedoch weit mehr als ein zufälliges Zusammentreffen.
Gernot Mörig
Gernot Mörig war Gastgeber des Potsdamer Treffens. Auch seine politische Vergangenheit reicht in völkische Jugendstrukturen. Er war früher Bundesführer des Bundes Heimattreuer Jugend, eines Vorläufermilieus der späteren HDJ.
Interessant ist die Verbindung zu Laurens Nothdurft. Der heutige Siegmund-Vertraute bezeichnete Mörig als „geschätzte und integre Persönlichkeit“. Eine direkte aktuelle Arbeitsbeziehung zwischen Mörig und Siegmund ist nicht nachgewiesen. Das Potsdamer Treffen zeigt jedoch, wie sich alte und neue rechte Netzwerke überschneiden.
Jürgen Elsässer
Jürgen Elsässer steht mit „Compact“ für einen weiteren Teil des rechten Medienmilieus um die AfD. Das Magazin begleitet Siegmunds Wahlkampf offensiv. Siegmund gibt Interviews und reagierte begeistert auf den „Compact“-Comic „Uli rettet Deutschland“.
„Compact“ war 2024 vom Bundesinnenministerium verboten worden. Das Bundesverwaltungsgericht hob das Verbot 2025 wieder auf. Bemerkenswert ist erneut die personelle Verbindung: Siegmunds Vertrauter Laurens Nothdurft vertrat das Magazin in dem Verfahren.
Philip Stein
Philip Stein ist der Kopf des rechtsextremen Kampagnennetzwerks „Ein Prozent“. Eine enge persönliche Freundschaft zu Siegmund ist nicht belegt. Überschneidungen zwischen diesem Vorfeld und dem AfD-Wahlkampf existieren trotzdem.
„Ein Prozent“ mobilisiert aktuell zur Wahlbeobachtung. Siegmund ruft ebenfalls Unterstützer dazu auf. Zudem arbeitete Filmkunstkollektiv-Chef Simon Kaupert früher für das Netzwerk. Stein interviewte Siegmund bereits nach der Landtagswahl 2021. So verbinden sich unterschiedliche Teile des rechten Vorfelds miteinander.
Diese Leute könnten an die Macht
Das Gesamtbild lässt sich kaum noch als Aneinanderreihung zufälliger Bekanntschaften erklären. Ulrich Siegmund umgibt sich nachweislich mit Rechtsextremen. Er beschäftigt Menschen aus einschlägigen Strukturen oder lässt sie für seinen Wahlkampf arbeiten. Einen mehrfach verurteilten Neonazi lobt er persönlich. Bei belasteten Biografien erklärt er, entscheidend seien Können und Vertrauen.
Und genau deshalb wird die Sache mit Blick auf den Wahltag so brisant. Diese Männer helfen Siegmund heute dabei, Macht zu gewinnen: Sie organisieren seinen Wahlkampf oder gestalten seinen politischen Kurs. Manche produzieren das freundliche Bild, mit dem er Stimmen sammelt. Bei einem Sieg könnte aus dieser Nähe ganz realer staatlicher Einfluss werden.
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Für Patrick Harr wird bereits über Schlüsselaufgaben in der Staatskanzlei gesprochen. Laurens Nothdurft wird als möglicher Staatssekretär im Justizministerium gehandelt. Tillschneider gilt als Kandidat für ein Ministerressort. Eine konkrete Gegenleistung für Wahlkampfhilfe ist damit nicht bewiesen. Doch die politische Konsequenz liegt offen auf dem Tisch: Wer Siegmund heute den Weg zur Macht ebnet, könnte morgen selbst an dieser Macht teilhaben.
Der lächelnde „Uli“ ist deshalb nur die Vorderseite dieser Kampagne. Dahinter stehen ehemalige Funktionäre einer verbotenen Neonazi-Organisation und aktive Rechtsextreme. Und sollte Siegmund tatsächlich Ministerpräsident werden, stellt sich nicht mehr nur die Frage, wer ihn dorthin gebracht hat. Sondern wer mit ihm ins Machtzentrum einzieht.
