„Habe es so satt!“ Kippende Stimmung – Russen kochen vor Wut wegen Putins Kriegskurs

Videos in den sozialen Medien zeigen ein Stimmungsbild von Russinnen und Russen, das Putin nicht gefallen dürfte. Das sind die Gründe für die wütenden Clips.

Seit dem 24. Februar 2022 läuft der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Über vier Jahre später spürt auch die russische Bevölkerung die Konsequenzen des militärischen Konflikts deutlich. Ukrainische Drohnenangriffe, fehlender Sprit und die enormen Verluste an der Front hinterlassen ihre Spuren und sorgen für Unmut und Wut unter Russinnen und Russen. Eine Expertin beschreibt die Lage im Land.

📌 Fakten zu Russlands Bevölkerung Rund 75 Prozent der etwa 143,5 Millionen Einwohner leben im europäischen Teil westlich des Uralgebirges, wobei der flächenmäßig weitaus größere asiatische Teil extrem dünn besiedelt ist. Russland ist ein Vielvölkerstaat mit über 100 anerkannten ethnischen Gruppen, in denen ethnische Russinnen und Russen knapp 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Aufgrund einer um rund zehn Jahre geringeren Lebenserwartung von Männern weist das Land ab dem mittleren Alter einen weltweit überdurchschnittlich hohen Frauenanteil auf. Rund 75 Prozent der Menschen leben in Städten, wobei sich die Bevölkerung vor allem auf Metropolregionen wie Moskau und Sankt Petersburg konzentriert.

„Wenn ihr diesen Krieg wollt, geht selbst hin!“

In Russland wird zunehmend eine aufgeheizte Stimmung in der Bevölkerung wahrgenommen, wie das NDR-Medienmagazin „ZAPP“ berichtete. Das dokumentieren Videos aus den sozialen Medien. „An all die verdammten Bastarde, die diesen scheiß Krieg unterstützen und darauf warten, dass seine Ziele erreicht werden: Wenn ihr diesen Krieg wollt, geht selbst hin und verreckt dort verdammt noch mal!“, sagte eine Nutzerin wütend in die Kamera.

Die Wut dürfte durch die Alltagssituation von Russinnen und Russen befeuert werden. „Ich hab diese Scheiße so satt. Wann habt ihr endlich genug vom Krieg, ihr Arschlöcher? Seit drei Tagen kann ich nirgendwo tanken“, beschwerte sich ein junger Mann. Auch durch die immer wieder stattfindenden ukrainischen Drohnenangriffe fühlen sich Menschen vom Präsidenten alleine gelassen. So sagte eine Frau: „Wo bleiben denn unsere Schutzräume? Warum schicken Sie uns in die Keller? Herr Putin, gehen Sie doch selbst in den Keller!“

Dass die Menschen diese offene Kritik trotz Netzspeeren und eingeschränkten sozialen Medien im Internet teilen, unterstreicht die Notlage. „Die Stimmung, die Unzufriedenheit, das Murren, die Luft in Russland hat sich verändert“, sagte die russische Journalistin Ekaterina Kotrikadze laut „ZAPP“. Zwar sei gerade nicht von einer Art Revolution auszugehen, aber diese Umstände könnten laut Kotrikadze zu „großen Veränderungen im Land führen“.

Bislang zeigte sich Russlands Präsident Putin mit Blick auf die Kriegsführung gegen die Ukraine auch gegen Zivilisten erbarmungslos.