Audi-Chef Gernot Döllner hat mit seinem Auftritt an der Seite von Donald Trump für heftigen Ärger gesorgt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat Georgia kündigte er eine Milliardeninvestition an und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung.
Zahlreiche Kunden reagieren daraufhin empört und stellen ihre Treue zur deutschen Automarke infrage. Besonders brisant ist der Zeitpunkt, denn während Audi in Amerika expandieren will, fallen in Deutschland Tausende Stellen weg.
📌 Was hinter Audis US-Plänen steckt Erstes eigenes US-Werk: Audi produziert bislang unter anderem in Mexiko für den US-Markt. Eine eigene Fertigung in den Vereinigten Staaten wäre ein strategischer Ausbau. Zollrisiko: Die lokale Produktion könnte Audi helfen, die Auswirkungen amerikanischer Importzölle zu begrenzen. Geplanter Standort: Das Werk soll in Georgia entstehen. Die Region wirbt mit dem Projekt um neue Industriearbeitsplätze. Konzernentscheidung steht aus: Der geplante Neubau benötigt noch die Zustimmung des Volkswagen-Aufsichtsrats.
Audi-Kunden kündigen ihre Treue auf
Wie die „Bild“ berichtet, zählt der langjährige Audi-Fahrer Josef Hofbauer zu den enttäuschten Kunden. Der 66-Jährige aus Erlangen fährt seit 1985 Audi und besitzt derzeit einen A6. Nach 41 Jahren Markentreue will er keinen Audi mehr kaufen. Auch Fahrzeuge der Konzernschwester Volkswagen kommen für ihn nicht mehr infrage.
Hofbauer bezeichnet den gemeinsamen Auftritt als „hochgradig unmoralisch“. Auch andere Kunden ziehen Konsequenzen. Eckard Zunft aus Weyhe bei Bremen kündigt ebenfalls an, künftig keinen Audi mehr zu kaufen. Ein weiterer Interessent verzichtet nach eigenen Angaben auf den geplanten Kauf eines RS6.
Warum sorgt das US-Werk für Kritik?
Audi plant, rund vier Milliarden US-Dollar in ein neues Werk in Georgia zu investieren. Dort sollen langfristig jährlich bis zu 200.000 Fahrzeuge entstehen. Rund 4.500 Arbeitsplätze sind vorgesehen, der Produktionsstart wird Anfang der 2030er-Jahre erwartet. Der Volkswagen-Konzern muss dem Vorhaben allerdings noch zustimmen.
Der Ärger entzündet sich vor allem an der Inszenierung der Ankündigung. Döllner stand kurz vor den US-Zwischenwahlen gemeinsam mit Trump auf einer Wahlkampfbühne. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo wirft ihm deshalb aktive Wahlkampfhilfe vor. Auch IG-Metall-Chefin Christiane Benner kritisierte den Auftritt als politisch inakzeptabel, wie die Tagesschau berichtet.
Stellenabbau verschärft den Unmut
Für viele Kritiker passt das Bild aus Georgia nicht zur Lage in Deutschland. Audi plant hierzulande bis 2029 den Abbau von rund 7.500 Stellen. Gleichzeitig sollen bis 2029 insgesamt acht Milliarden Euro in deutsche Standorte investiert werden. Die Kombination aus Stellenabbau und Milliardenplänen in den USA sorgt dennoch für Verunsicherung.
Auch in der Schweiz diskutieren Leser über mögliche Konsequenzen. Das Portal Blick berichtet von Kommentaren, in denen Audi-Fahrer ihren Verkauf ankündigen oder der Marke den Rücken kehren wollen. Andere Stimmen verteidigen die Investition als wirtschaftlich notwendig. Sie verweisen auf hohe Kosten und schwierige Rahmenbedingungen am deutschen Standort.
Wie gefährlich wird der Imageschaden?
Für Automarken ist Vertrauen ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Wenn sich technische Unterschiede zwischen Herstellern verringern, gewinnt das Markenimage zusätzlich an Bedeutung. Enttäuschte Kunden können sich deshalb bei ihrer nächsten Kaufentscheidung für einen Konkurrenten entscheiden. Ob aus den öffentlichen Boykottankündigungen tatsächlich viele Verkäufe werden, bleibt allerdings offen.
Entscheidend dürfte sein, wie lange die Debatte anhält. Viele Menschen kaufen nur alle paar Jahre ein neues Auto. Bis dahin kann die aktuelle Empörung nachlassen. Der Südwestrundfunk berichtet jedoch von Handelsexperten, die bereits einen erheblichen emotionalen Imageschaden für Audi sehen.
Audi verteidigt die Entscheidung
Der Autobauer betont, dass die US-Investition wirtschaftlichen Zielen dient. Eine eigene Produktion vor Ort soll das Geschäft stärken und Risiken durch Zölle sowie Wechselkurse verringern. Audi erklärt zudem, dass der Rahmen der Ankündigung als politisches Signal wahrgenommen worden sei. Die Kritik langjähriger Kunden nehme das Unternehmen ernst.
In einem Schreiben an die Belegschaft erklärte Döllner, er und der Produktionsvorstand seien gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem US-Präsidenten öffentlich vorzustellen. Die Entscheidung sei im Interesse des Unternehmens gefallen. Ob diese Erklärung ausreicht, um enttäuschte Kunden zurückzugewinnen, wird sich erst langfristig zeigen. Der Auftritt in Georgia hat für Audi bereits eine schwierige Debatte über wirtschaftliche Interessen, politische Neutralität und die Verantwortung gegenüber deutschen Beschäftigten ausgelöst.
