Kinderlose müssen 2027 mehr zahlen – wie sich die Pflegereform im Portemonnaie bemerkbar macht

Wer keine Kinder hat, muss sich wohl auf höhere Abzüge vom Gehalt einstellen. Ab dem 1. Januar 2027 soll der Zuschlag für Kinderlose in der gesetzlichen Pflegeversicherung steigen. So sieht es der Entwurf von Gesundheitsminister Carsten Linnemann vor, den das Bundeskabinett am 30. September auf den Weg gebracht hat. Wichtig ist dabei: Bisher handelt es sich nur um einen Entwurf. Ob und in welcher Form die Änderungen tatsächlich kommen, entscheiden erst Bundestag und Bundesrat.

Hintergrund ist eine gewaltige Finanzierungslücke. Ohne Gegenmaßnahmen fehlen der Pflegeversicherung im Jahr 2027 rund 7,6 Milliarden Euro. In den Folgejahren könnte das Defizit sogar auf mehr als 15 Milliarden Euro wachsen. Die Regierung will deshalb mit einer Mischung aus Einsparungen und zusätzlichen Einnahmen gegensteuern.

📌 Pflegereform – DAS soll sich noch ändern Hilfe vor Ort: Pflegebedürftige und ihre Familien sollen eine Pflegebegleitung bekommen. Sie hilft früh und unterstützt die Pflege zu Hause. Neue Budgets: Ab Pflegegrad 2 gibt es mehr Geld für Hilfen im Alltag. Fällt eine pflegende Person plötzlich aus, soll ein Überbrückungsbudget einspringen. Mehr Überblick: Die Pflegekassen sollen ein digitales „Pflege-Cockpit“ anbieten. Dort finden Versicherte alle Hilfen und Angebote an einem Ort. Vorbeugen statt pflegen: Früherkennung und Reha sollen helfen, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder hinauszuzögern. Weitere Reformen: Eine Kommission soll bis Ende Januar 2027 Vorschläge machen. Weitere Änderungen könnten ab dem 1. Juli 2027 gelten.

Das bedeutet die Reform konkret

Konkret soll der Kinderlosenzuschlag um 0,3 Prozentpunkte auf insgesamt 0,9 Prozentpunkte steigen. Für betroffene Beschäftigte wächst ihr Beitragsanteil damit auf 2,7 Prozent des Bruttolohns. Der allgemeine Beitragssatz von 3,6 Prozent soll dagegen stabil bleiben, damit die Lohnnebenkosten nicht weiter steigen.

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Instagram der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Wie sich das für viele im Alltag auswirkt, hat das ZDF-Magazin „Wiso“ durchgerechnet. Wer 2.500 Euro brutto im Monat verdient, zahlt künftig etwa 7,50 Euro mehr. Bei 3.500 Euro sind es 10,50 Euro, bei 4.500 Euro schon 13,50 Euro zusätzlich pro Monat.

Besserverdienende werden stärker belastet

Zusätzlich plant die Regierung, die Beitragsbemessungsgrenze anzuheben, und zwar nach dem Vorbild der gesetzlichen Krankenversicherung. Das heißt 2027 soll die Belastungsgrenze bei 6.375 Euro im Monat (76.500 Euro im Jahr) liegen. Bis zu diesem Einkommen gilt der volle Beitragssatz, darüber hinaus wird kein weiterer Beitrag fällig. Die Bundesregierung räumt offen ein, dass die monatlichen Beiträge für viele Versicherte dadurch steigen werden.

Schaut man auf die Zahlen, wird deutlich, wer den größten Teil der Last trägt. Von den Mehreinnahmen und Einsparungen in Höhe von rund 6,25 Milliarden Euro im Jahr 2027 entfallen etwa 3,3 Milliarden Euro allein auf die höheren Beiträge der Kinderlosen.

Scharfe Kritik an der Verteilung

Genau daran entzündet sich der Streit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund nennt den Zuschlag diskriminierend, weil Kinderlose pauschal zur Kasse gebeten werden, unabhängig von ihrer persönlichen Lebenssituation. DAK-Chef Andreas Storm kritisiert, dass wichtige Einsparungen im Verfahren gestrichen wurden. Dadurch trugen die Kinderlosen mehr als die Hälfte des gesamten Sparvolumens.

Die Bevölkerung ist bei dem Thema gespalten. Im ZDF-Politbarometer stehen sich Befürworter und Gegner der Sonderbelastung fast gleich groß gegenüber.