Nach Angriff in Sibirien: Selenskyj erklärt Putins Hinterland für unsicher

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine erreicht längst nicht mehr nur die Frontgebiete. Immer häufiger geraten Ziele tief im russischen Hinterland ins Visier ukrainischer Angriffe. Nach einem Schlag gegen eine Industrieanlage in Sibirien hat Präsident Wolodymyr Selenskyj laut „Welt“ nun weitere Operationen auf russischem Territorium angekündigt.

In seiner abendlichen Ansprache verwies der ukrainische Staatschef am Montag (10. August) auf einen Angriff gegen eine Anlage in Tobolsk. Die Stadt liegt in Sibirien und befindet sich mehr als 2000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Für Kiew ist der Vorfall ein weiterer Beleg dafür, dass die eigenen Streitkräfte inzwischen auch weit entfernte Ziele erreichen können.

📌 Krieg in der Ukraine Krieg begann 2014 und eskalierte 2022 Bereits 2014 annektierte Russland die ukrainische Halbinsel Krim. Am 24. Februar 2022 begann Moskau dann die großangelegte Invasion der gesamten Ukraine. Front verläuft über Hunderte Kilometer Die Kämpfe konzentrieren sich vor allem auf den Osten und Süden der Ukraine. Trotz zahlreicher Offensiven beider Seiten hat sich die Front in vielen Abschnitten zu einem Stellungskrieg entwickelt. Beide Seiten setzen zunehmend Drohnen ein Drohnen spielen eine zentrale Rolle im Krieg. Sie werden für Aufklärung, Angriffe auf Militärziele und zunehmend auch für Schläge tief im Hinterland eingesetzt. Russland kontrolliert Teile der Ukraine Russische Truppen halten weiterhin besetzte Gebiete in mehreren ukrainischen Regionen. Die Ukraine betrachtet diese Territorien als völkerrechtlich zu ihrem Staatsgebiet gehörig.

Ukraine griff Ziel der petrochemischen Industrie an

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs handelte es sich bei dem Ziel um einen Betrieb der petrochemischen Industrie. Aus Sicht der ukrainischen Führung werden dort Rohstoffe hergestellt, die für die russische Rüstungsproduktion von Bedeutung sind. Mit solchen Angriffen will die Ukraine nach eigenen Angaben militärische und logistische Strukturen Russlands schwächen.

Selenskyj wertete die jüngsten Angriffe als wichtigen Erfolg. Dabei griff er zu einer besonders weitreichenden Formulierung. „Zum ersten Mal in der Geschichte Russlands verfügt das Land über kein sicheres strategisches Hinterland“, erklärte der ukrainische Präsident mit Blick auf die Reichweite der ukrainischen Angriffe.

Putin erhielt laut Selenskyj zusätzliche ballistische Raketen aus Nordkorea

Zugleich verwies Selenskyj auf Umfragedaten aus Russland. Diese würden zeigen, dass immer mehr Menschen ein Ende des Krieges befürworteten. Nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten müsse dieser Trend weiter zunehmen, damit die russische Führung erkenne, dass ein Frieden alternativlos sei.

Neben den Angriffen auf russische Infrastruktur sprach Selenskyj erneut über die Unterstützung Moskaus durch Nordkorea. Er behauptete, Russland habe zusätzliche ballistische Raketen aus Pjöngjang erhalten. Darüber hinaus bereite sich Moskau auf die Ankunft weiterer nordkoreanischer Soldaten vor, die den russischen Krieg unterstützen könnten.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte der ukrainische Staatschef vor einer größeren Beteiligung Nordkoreas gewarnt. Dabei stellte er die Möglichkeit in den Raum, dass deutlich mehr Soldaten eingesetzt werden könnten als bislang bekannt.