Die Zustimmung für Putins Krieg gegen die Ukraine bröckelt in der russischen Bevölkerung merklich. Eine aktuelle Befragung des unabhängigen Levada-Zentrums zeigt, dass immer weniger Menschen im Land von einem erfolgreichen Verlauf der Kämpfe überzeugt sind.
Nur noch eine kleine Minderheit von 8 Prozent bewertet das, was der Kreml offiziell als „militärische Spezialoperation“ bezeichnet, als „sehr erfolgreich“. Damit setzt sich ein Trend fort, der seit einiger Zeit zu beobachten ist und der die öffentliche Meinung in Russland zunehmend verändert.
📌 Ukraine-Krieg Beginn im Februar 2022: Am 24. Februar 2022 begann Russland eine großangelegte Invasion der Ukraine. Der Krieg entwickelte sich zum größten militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Frontverlauf mit hohen Verlusten: Seit Kriegsbeginn haben beide Seiten hohe personelle und materielle Verluste erlitten. Massive internationale Unterstützung für die Ukraine: Die Ukraine erhält weiterhin umfangreiche militärische, finanzielle und humanitäre Unterstützung. Die EU und europäische Staaten spielen dabei eine sehr wichtige Rolle; auch die USA unterstützen die Ukraine. Millionen Menschen mussten fliehen: Der Krieg hat eine der größten Fluchtbewegungen Europas seit Jahrzehnten ausgelöst. Millionen Ukrainer mussten ihre Heimat verlassen oder innerhalb des Landes Zuflucht suchen. Angriffe auch fern der Front: Neben den Kämpfen an der Front kommt es regelmäßig zu Drohnen-, Raketen- und Luftangriffen auf Infrastruktur, Militäranlagen und Städte. Beide Seiten setzen verstärkt auf moderne Waffensysteme und Drohnentechnologie.
Putins Bevölkerung scheint zunehmend verunsichert
Die Verteilung der Antworten macht das Ausmaß der Verunsicherung deutlich. Während ebenfalls 8 Prozent den Kriegsverlauf als „äußerst erfolglos“ einstufen, sehen weitere 20 Prozent ihn zumindest als „eher erfolglos“ an.
Bemerkenswert ist zudem, dass 22 Prozent der Befragten keine klare Antwort geben konnten oder wollten – ein Anteil, der laut Berichten der Moscow Times so hoch ausfällt wie nie zuvor seit Beginn der Erhebungen. Diese Zurückhaltung könnte selbst ein Indikator für wachsende Verunsicherung sein.
34 Prozent weiterhin für Krieg
Parallel zur skeptischeren Einschätzung des Kriegsverlaufs sinkt auch die grundsätzliche Rückendeckung für die russischen Streitkräfte. Mittlerweile geben 21 Prozent der Teilnehmer an, die Militäraktionen in der Ukraine nicht oder nur eingeschränkt zu befürworten – ein Wert, der seit Kriegsbeginn noch nie so hoch war.
Uneingeschränkte Zustimmung äußern nur noch 34 Prozent, während dieser Anteil unmittelbar nach dem Einmarsch noch bei über 50 Prozent gelegen hatte und selbst im vergangenen Jahr nie unter die 40-Prozent-Marke gerutscht war.
Gründe für sinkenden Putin-Rückhalt
Für diese Entwicklung gibt es nach Einschätzung von Beobachtern einen naheliegenden Auslöser. Die Politologin Tatjana Stanowaja vom Analyseprojekt R.Politik verweist laut „Focus“ auf die veränderte Dimension des Krieges, der mittlerweile spürbar in den russischen Alltag hineinreicht. Als Beispiel nennt sie die jüngsten ukrainischen Angriffe, die sich nicht mehr nur gegen Ölraffinerien richteten, sondern auch den großen Online-Händler Wildberries treffen.
Diese Attacken auf zivile Wirtschaftsstrukturen stellen die russische Führung laut Stanowaja vor Herausforderungen, auf die bislang keine überzeugenden Antworten vorbereitet waren. Verschärft wird die Lage durch einen spürbaren Treibstoffmangel im Land. Hinzu kommen kursierende Gerüchte über eine mögliche weitere Mobilmachungswelle im Herbst, die zusätzlich zur Verunsicherung in der Bevölkerung beitragen.
