Panik am Geldautomaten in Russland. Sparer und Unternehmen räumen derzeit ihre Konten leer. Allein in den ersten beiden Augustwochen holten sie umgerechnet fast drei Milliarden Euro ab, meldet die russische Zentralbank. Im Juli waren es sogar über sechs Milliarden Euro, im Juni knapp vier Milliarden.
Der Grund laut „Washington Post“: nackte Angst. Viele Bürger fürchten, der Kreml unter Wladimir Putin könnte ihre Ersparnisse einkassieren. Das Geld soll dann in den Krieg gegen die Ukraine fließen.
📌 Fakten zum Ukraine-Krieg Beginn der Vollinvasion: Am 24. Februar 2022 startete Russland eine großflächige, völkerrechtswidrige Invasion der gesamten Ukraine. Massive Opferzahlen und Zerstörung: Die UN registrierte bis Mitte 2025 mehr als 15.000 getötete Zivilisten; die Dunkelziffer liegt weit höher. Größte Fluchtbewegung in Europa seit Jahrzehnten: Millionen Ukrainer mussten ihre Heimat verlassen. Allein in den europäischen Ländern waren bis Sommer 2025 rund 5,2 Millionen Geflüchtete registriert.
Russland zittert um sein Erspartes
Ein ehemaliger hochrangiger Finanzbeamter bringt die Stimmung auf den Punkt: „Drohnen fliegen. Dinge brennen nieder. Nervosität wächst.“ Das Kopfkissen gilt vielen inzwischen sicherer als die Bank. Manche Institute kämpfen laut dem Beamten bereits mit echten Liquiditätsproblemen. „Sie haben das ganze Geld woanders investiert“, so der Beamte, „und die Leute kommen und heben eine halbe Billion Rubel im Monat ab“.
Auch Wirtschaftsexpertin Alexandra Prokopenko sieht das Vertrauen der Bürger schwinden. Gegenüber der „Post“ erklärt sie: „Das ist alles eine Konsequenz aus der Angst, dass die Regierung etwas mit den Banken vorhat, dass sie Anlagen verstaatlichen könnte.“
Russland: Verstaatlichung von Konten unwahrscheinlich
Eine Verstaatlichung hält Prokopenko zwar für unwahrscheinlich. Ein Abhebelimit schließt sie jedoch nicht aus. Neu ist die Sorge ohnehin nicht: Zwischen 2022 und Ende 2025 verstaatlichte Russland bereits Vermögenswerte im Wert von rund 6,5 Billionen Rubel, damals etwa 72 Milliarden Euro.
Russland finanziert seinen Ukraine-Krieg auch über den Verkauf von Staatsanleihen. Banken zählen zu den größten Käufern dieser Papiere. Doch das nötige Kapital fehlt vielen Häusern mittlerweile, sagt Sberbank-Finanzvorstand Taras Skworzow.
Die Kreml-Kasse wirkt ohnehin angespannt. Laut „Washington Post“ türmte sich Russlands Haushaltsdefizit allein im ersten Halbjahr 2026 auf umgerechnet 65,5 Milliarden Euro. Geplant waren ursprünglich nur 38,5 Milliarden Euro.
