Warum die AfD eigentlich eine Klimapartei sein sollte

Selbstverständlich wird die AfD nie als die Partei der großen Klimaschutzverfechter in die Geschichtsbücher eingehen. Die Rechtsaußenpartei tritt in Debatten regelmäßig als der große Klimaskeptiker auf, spricht von „Klimahysterie“, von „grüner Ideologie“, von „Panikmache“. Das geht sogar so weit, dass der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla im ARD-Sommerinterview nach einem Sommer mit mehreren historischen Hitzewellen und Dürreperioden sagen kann: „Für mich war das ein ganz normaler Sommer.“

AfD und Klimaskepsis müssen aber nicht Hand in Hand gehen. Zumindest wenn wir es aus der reinen Logik des Konservativismus heraus betrachten. Tatsächlich gibt es sehr viele Argumente, die dafürsprechen, sollte die AfD wirklich das bewahren wollen, was sie vorgibt, bewahren zu wollen.

📌 Der menschengemachte Klimawandel In der Klimaforschung herrscht ein weltweiter, eindeutiger Konsens von über 99 bis 100 Prozent, dass die aktuelle Erderwärmung primär durch menschliche Aktivitäten verursacht wird. Seit Beginn der Industrialisierung (um 1830) verbrennt der Mensch massenhaft fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Dadurch steigen gigantische Mengen an Kohlendioxid (CO₂) und Methan in die Atmosphäre. Sie wirken als Treibhausgase und wirken sich auf den natürlichen Treibhauseffekt aus. Die globale Durchschnittstemperatur lag im Jahresmittel bereits bei +1,55 °C über dem vorindustriellen Niveau. Das macht die jüngste Vergangenheit zur heißesten Phase der Erde seit etwa 125.000 Jahren.

Klima und Rechts sind keine Gegenpole

Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geht die AfD mit großen Zielen ins Rennen. Sie will ein „Aussterben der einheimischen Bevölkerung“ verhindern, Einwanderung eindämmen und den „höchsten Wert auf die Innere Sicherheit“ legen. Gleichzeitig lehnt sie „die globalistische Klimaideologie“ grundlegend ab und stellt sich offen gegen erneuerbare Energien.

Dabei könnte man hier als erzkonservative Partei auch ganz anders argumentieren. Was gibt es Deutscheres als Strom, der vom heimischen Wind und von der Sonne produziert wird, die auf deutschen Boden fällt? Der nicht mit Öl, Kohle und Gas hergestellt werden muss, die erst aufwändig aus dem Ausland importiert werden müssen?

Deutscher Strom für deutsche Bürger

Wenn dann noch die Netze ordentlich ausgebaut sind und in Batterieinfrastruktur investiert wird, würde uns das auch unabhängiger vom EU-Ausland machen, auf das die AfD seit eh und je allergisch reagiert. Das klingt polemisch, ist aber gar nicht so gemeint. Tatsächlich erlauben erneuerbare Energieformen eine voranschreitend dezentrale Energieversorgung, was dann auch den einzelnen Bürger unabhängiger macht von den Launen ausländischer Tyrannen. E-Auto-Fahrern juckt es wenig, ob die Straße von Hormus zu ist oder nicht – erst recht nicht, wenn sie echten Heimatstrom aus Deutschland tanken.

Auch beim Thema „Heimatschutz“ gibt es gute konservative Argumente, die für einen stärkeren Klimaschutz sprechen würden. Die AfD macht aus ihrer Position keinen Hehl: Am liebsten würden sie alle Grenzen sofort dichtmachen – und die „kulturfremde Massenmigration“ beenden.

Massenmigration stoppen – mit Klimaschutz

Klimaforscher warnen aber nicht erst seit gestern vor massiven Migrationsbewegungen, die durch den Klimawandel zwangsläufig in Bewegung versetzt werden. Eine heißere Welt bedeutet auch einen immer größer werdenden Raum, in dem Menschen nicht überleben können. „Es wird prognostiziert, dass Millionen Menschen aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels gezwungen sein werden zu fliehen, sofern keine geeigneten politischen Maßnahmen getroffen werden“, schreiben die Autorinnen Mariam Traore Chazalnoel und Dina Ionesco im Klima-Klassiker aus dem Jahr 2022 „3 Grad Mehr“.

Das bedeutet nicht, dass eine solche Migration auch automatisch eine Migration in Drittstaaten begünstigt. Aber Hitzeperioden, Dürren und Extremwetterereignisse werden die Welt in Bewegung versetzen. Und die Folgen werden uns begegnen – wenn nicht an unseren Grenzen, dann durch die wirtschaftlichen Folgen einer immer instabiler werdenden Welt.

AfD stellt menschengemachten Klimawandel in Zweifel

Die AfD argumentiert dagegen einfach, indem sie den menschengemachten Klimawandel zum Hirngespinst erklärt. „Die globalistische Klimarettungslogik der Altparteien basiert auf der These vom angeblich menschengemachten Klimawandel“, heißt es im Wahlprogramm zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. „Selbst wenn man sich diese These zu eigen machen würde, ließe sich das Weltklima angesichts des weltweit wachsenden Energiehungers weder in Europa noch in Deutschland und schon gar nicht in Sachsen-Anhalt retten.“

Heimatschutz heißt aber auch das Bewahren von Natur, Landschaft und Tradition. Und der Klimawandel wird hier keinen Halt machen. Ein heißer werdendes Klima verlagert Lebensräume von Tieren, raubt Bäumen und Pflanzen die Lebensgrundlage. Da kann die AfD noch so stark versuchen, das „Mikroklima“ zu schützen. Die globalen Folgen der drohenden (und bereits eingetretenen Klimakatastrophe) machen an den deutschen Grenzen nicht Halt.