Am 12. Oktober ist Bärbel Bas sowohl als Parteivorsitzende der SPD als auch als Arbeits- und Sozialministerin zurückgetreten. Als Grund nannte sie, dass sie nach dem Tod ihrer Stieftochter Zeit brauche. Auch Angriffe aus den Reihen des Koalitionspartners sollen sie zu dem Schritt bewogen haben.
Schon kurz darauf stand ein Nachfolger fest: Alexander Schweitzer (SPD), früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, soll das Arbeitsministerium übernehmen. Offenbar war er aber nicht die erste Wahl der SPD.
📌 Das ist Alexander Schweitzer Geboren: Alexander Schweitzer kam am 17. September 1973 in Landau in der Pfalz zur Welt. Er ist Jurist, verheiratet und hat drei Kinder. Politischer Weg: 1989 trat er in die SPD ein. Später wurde er Generalsekretär der SPD Rheinland-Pfalz, Staatssekretär und Sozialminister (2013 bis 2014). Von 2014 bis 2021 war er Fraktionschef im Landtag. Ministerpräsident: Im Juli 2024 wurde er als Nachfolger von Malu Dreyer zum Ministerpräsidenten gewählt. Nach der verlorenen Landtagswahl im März 2026 gab er das Amt im Mai 2026 an die CDU ab. Seitdem führt er wieder die SPD-Fraktion im Landtag. Bundespartei: Seit Juni 2025 ist er einer von fünf stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden. Der Parteitag wählte ihn mit 95,3 Prozent. Persönliches: Er ist Sohn eines Binnenschiffers und 2,06 Meter groß. Außerdem ernährt er sich vegan.
SPD-Frauen verärgert über Entscheidung
Die Bundesvorsitzenden der SPD-Frauen, Ulrike Häfner und Carmen Wegge, kritisieren die Personalentscheidung gegenüber „Focus Online“ scharf: „Wir erwarten, dass eine Frau das Ministerium übernimmt. Es gibt kompetente Frauen, die sich in die laufenden Gesetzgebungsverfahren eingearbeitet haben und Erfahrung auf Bundesebene mitbringen. Sie könnten das Amt ohne Weiteres führen. Ein Postengeschacher unter Männern lehnen wir entschieden ab.“
Ein männlicher Abgeordneter der SPD-Bundestagsfraktion zeigt im Gespräch mit „Focus Online“ Verständnis für den Ärger der Frauen. Er verweist aber auf die aktuelle Lage: „Wir befinden uns in einer besonderen Situation, in der es auf Stabilität in der Regierung ankommt. Das ist für mich das wichtigste Kriterium bei der Wahl des Nachfolgers.“ Das Geschlecht ist für ihn also zweitrangig.
Der SPD-Politiker deutet zudem an, dass womöglich auch Frauen gefragt wurden, die aber abgelehnt hätten. Schweitzer könnte demnach nur die zweite Wahl gewesen sein.
SPD-Sitze sollen im Januar neu gewählt werden
Wer auf Bärbel Bas an der Parteispitze folgt, ist bislang offen. Manuela Schwesig , Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, wich auf einer Pressekonferenz der Frage aus, ob sie nach dem Rücktritt von Bärbel Bas den Parteivorsitz übernehmen will. Sie wolle sich voll auf die Koalitionsgespräche in ihrem Land konzentrieren.
Eine interne Nachricht der SPD in Sachsen, die „Focus Online“ vorliegt, gibt nun Aufschluss auf den Zeitplan. Demnach wählt die Partei im Januar einen neuen Vorstand. „Die Doppelspitze soll dabei erhalten bleiben“, heißt es. Im Gespräch sind die Wochenenden vom 16./17. und vom 23./24. Januar. Bas‘ Platz im Koalitionsausschuss soll laut Klingbeil ebenfalls mit einer Frau besetzt werden. Sie war die einzige Frau in dem Gremium.
Bärbel Bas ist von ihren Ämtern als Ministerin und SPD-Co-Vorsitzende zurückgetreten. Ihr politischer Weg war alles andere als leicht.
