Wenn in den USA gewählt wird, blickt die Welt nach Washington: Wer bestimmt künftig über Gesetze, Steuern und globale Krisen? Doch wer trockene Politik erwartet, irrt. Auf den Stimmzetteln stehen in diesem Jahr bekannte TV-Gesichter, Reality-Stars und Sport-Helden. Der Kampf um das US-Parlament wird immer mehr zur schrillen Unterhaltungs-Show für Millionen.
Das prominenteste Beispiel kämpft in Minnesota um einen Sitz im US-Senat: Michele Tafoya. Jahrzehntelang war sie das bekannteste Gesicht am Spielfeldrand und moderierte bei großen Sendern wie NBC und ESPN vor Millionen Zuschauern. Nun will die TV-Frau direkt in die Herzkammer der Weltpolitik einziehen – und liegt laut Berichten von CBS News und aktuellen Umfragen sogar Kopf an Kopf mit der Konkurrenz.
Baseball-Ikone auf einmal Politiker
Doch Tafoya ist nicht allein. In Texas steht mit Mark Teixeira ein absoluter Baseball-Superstar auf dem Zettel. Der Multimillionär holte mit den New York Yankees 2009 den Titel und genießt bis heute Kultstatus. Mit Unterstützung von Donald Trump will er nun als Abgeordneter ins Repräsentantenhaus, wie The New York Times analysiert. Experten geben ihm beste Chancen: Promi-Bonus pur an der Wahlurne.
Noch kurioser ist das Duell in Arizona. Dort tritt Jay Feely an, der 14 Jahre lang als Kicker in der NFL spielte und Football-Experte bei CBS war. Die irre Pointe beleuchtet das US-Magazin Front Office Sports: Sein Gegenkandidat ist ausgerechnet Dr. Amish Shah – Feelys früherer Mannschaftsarzt bei den New York Jets! Der Ex-Sportler duelliert sich am Dienstag (3. November) also mit dem Mann, der ihn einst zusammenflickte.
Reality-TV-Star im Kongress? USA machen es möglich
Richtig schrill wird es in Georgia mit Dr. Heavenly Kimes. Sie ist ein Star der Reality-Soap „Married to Medicine“ und für TV-Zoff bekannt. Nun will sie ins Parlament – und ließ ihren Wahlkampf laut einem Bericht von Bossip prompt von Serienkollegin „Miss Quad“ leiten. Auch Dating-Stars wie Luke Gulbranson („Summer House“) belegen laut The Hill den Trend: Wer im Trash-TV Reichweite hat, will an die Macht.
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Wie das geht? Das US-Wahlsystem funktioniert völlig anders als hierzulande. Niemand muss jahrelang Klinken in Parteien putzen. Wer durch TV oder Sport bekannt ist, spart Millionen für Wahlwerbung. Bekanntheit schlägt Erfahrung. Vor allem die Parteistrategen nutzen die Idole gezielt, um Wähler an die Urnen zu locken, die normale Politik sonst langweilt.
Am Dienstag fällt die Entscheidung also an den Urnen. Ob die Amerikaner am Ende wirklich TV-Stars und Sport-Idole in den Kongress wählen oder den Profis vertrauen, zeigt sich in der Wahlnacht. Fest steht schon jetzt: Der US-Kongress könnte nach diesem Dienstag so bunt, unberechenbar und boulevardreif werden wie nie zuvor. Eine echte Zitterpartie mit Show-Garantie.
