Die EU und Kanada wollen künftig enger zusammenarbeiten. Doch bei der Frage nach einem besonderen Mitgliedsstatus für Kanada gibt es Streit. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lehnt die Bezeichnung „assoziiertes Mitglied“ ab. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hält trotzdem an ihrer Idee fest.
📌 Fünf interessante Fakten zur Partnerschaft EU-Kanada Freihandel: Das Handelsabkommen CETA wird seit April 2017 vorläufig angewendet. Handelsvolumen: 2025 erreichte der Handel mit Waren und Dienstleistungen rund 130 Milliarden Euro. Kanada: Das Land umfasst zehn Provinzen und drei Territorien. Amtssprachen: Kanada hat Englisch und Französisch als offizielle Amtssprachen. EU-Mitglieder: Der Staatenbund besteht aus 27 Mitgliedsländern.
EU und Kanada schmieden Allianz
Beim Gipfeltreffen in Montréal vereinbarten von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa und Kanadas Premierminister Mark Carney eine engere Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt stehen Handel, Künstliche Intelligenz, Wissenschaft und Sicherheit. Beide Seiten wollen dadurch ihre Abhängigkeit von Großmächten wie den USA und China verringern.
Die neue „Allianz für die Zukunft“ soll außerdem die wirtschaftliche Sicherheit stärken. Gemeinsame Lieferketten und der Zugang zu wichtigen Rohstoffen spielen dabei eine zentrale Rolle. Auch politisch wollen Europa und Kanada künftig stärker an einem Strang ziehen.
Von der Leyen will Sonderstatus für Kanada
Von der Leyen brachte erneut eine sogenannte „assoziierte Mitgliedschaft“ Kanadas ins Gespräch. Eine reguläre EU-Mitgliedschaft ist für das nordamerikanische Land geografisch nicht möglich. Durch ein besonderes Modell könnte Kanada trotzdem enger in europäische Strukturen eingebunden werden.
Die Kommissionspräsidentin sprach von einer „Assoziierung ohne Beitritt“. Kanada soll nach ihren Vorstellungen möglichst intensiv an politischen Abstimmungen und EU-Programmen teilnehmen können. Wie genau ein solcher Status aussehen könnte, ist allerdings noch offen.
Warum widerspricht der Kanzler?
Der Bundeskanzler hatte sich zuvor gegen die Verwendung der Begriffe „assoziierte Mitgliedschaft“ und „assoziiertes Mitglied“ ausgesprochen. Deutschland setzte sich dafür ein, diese Formulierungen aus der Abschlusserklärung zu streichen. Dabei erhielt Berlin Unterstützung von weiteren EU-Staaten.
Merz verfolgt mit dem Begriff eine andere Idee. Er hatte eine assoziierte Mitgliedschaft bereits für die Ukraine als möglichen Zwischenschritt auf dem Weg zum regulären EU-Beitritt vorgeschlagen. Ukrainische Vertreter könnten dadurch beispielsweise an EU-Gipfeln teilnehmen, allerdings ohne Stimmrecht.
Merz unterstützt die Partnerschaft trotzdem
Von der Leyen verfolgt dagegen ein anderes Konzept. Sie möchte den Begriff für besonders enge Partner außerhalb Europas verwenden. Kanada könnte dadurch stärker in europäische Programme und politische Prozesse eingebunden werden. Berlin sieht bei diesem Modell bislang jedoch offene Fragen.
Grundsätzlich unterstützt Merz die engere Zusammenarbeit mit Kanada ausdrücklich. Auch er begrüßt die neue „Allianz für die Zukunft“. Die Partnerschaft soll wirtschaftliche Sicherheit, Wohlstand und politische Handlungsfähigkeit stärken. Wie es beim Streit um die assoziierte Mitgliedschaft weitergeht, bleibt offen. Die Details der Zusammenarbeit sollen in den kommenden Monaten ausgearbeitet werden.
