Ukrainische Drohnen treffen russische Rechenzentren, Server fallen aus und Millionen Nutzer könnten von Störungen betroffen sein. Nun sorgt eine ungewöhnliche Stellenanzeige für Aufsehen. Ausgerechnet der russische Technologiekonzern Yandex, häufig als Russlands Antwort auf Google bezeichnet, lässt bewaffnete Sicherheitskräfte für einen Standort in Moskau suchen.
Auf dem russischen Jobportal hh.ru wird ein „bewaffneter Wachmann für ein geschlossenes Yandex-Objekt“ gesucht. Hinter der Ausschreibung steht die Sicherheitsfirma „Alligator-1“. Die Anforderungen haben es in sich. Bewerber müssen nicht nur Erfahrung im Umgang mit Waffen mitbringen, sondern auch über eine gültige Sicherheitslizenz der sechsten Qualifikationsstufe verfügen. Bezahlt werden sollen 8.500 Rubel pro 24-Stunden-Schicht.
📌 Was ist Yandex? Wurde 1997 als russische Internetsuchmaschine gegründet. Gilt als eines der wichtigsten Technologieunternehmen Russlands. Bietet unter anderem Suchmaschinen-, Karten-, Cloud- und Lieferdienste an. Betreibt große Rechenzentren für seine digitalen Dienstleistungen. Ist mit seinen Angeboten für Millionen Menschen und zahlreiche Unternehmen von Bedeutung.
Yandex sucht bewaffnete Wachleute – das steckt hinter der Anzeige
Zu den Aufgaben gehören laut Stellenanzeige die Verhinderung von Notfällen und Straftaten, der Schutz von Sachwerten sowie Zugangskontrollen und Patrouillen auf dem Gelände. Damit stellt sich angesichts der jüngsten Drohnenangriffe auch die Frage, wie gefährdet die russische Technologiebranche inzwischen ist.
Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: Die ausgeschriebene Stelle befindet sich nach Angaben des Sicherheitsunternehmens auf dem Gelände der Yandex-Zentrale in Moskau. Dass die Wachleute gezielt zur Abwehr ukrainischer Drohnen eingestellt werden, geht aus der Anzeige nicht hervor.
Die Bedrohung für die Infrastruktur des Unternehmens ist trotzdem real.
Ukrainische Drohnen treffen Rechenzentren in Russland
Anfang Oktober wurden mehrere russische Rechenzentren zum Ziel von Drohnenangriffen. Der Technologiekonzern Yandex bestätigte am 9. Oktober selbst, dass sein Standort in Sasowo schwer beschädigt worden sei. Das Rechenzentrum musste vollständig abgeschaltet werden.
Am selben Tag meldete das Unternehmen einen weiteren Angriff auf eine Anlage in Kaluga. Dort fiel ein Teil der Infrastruktur aus. In einer offiziellen Mitteilung warnte Yandex vor den Folgen für seine Kunden. Schließlich betreibt der Konzern nicht nur eine Suchmaschine, sondern auch Navigationsdienste, Cloud-Angebote und zahlreiche weitere digitale Dienstleistungen.
Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete über die Schäden und Einschränkungen. Demnach waren unter anderem wichtige Serverkapazitäten des Unternehmens betroffen.
Krieg erreicht zunehmend Russlands digitale Infrastruktur
Die ukrainischen Angriffe beschränken sich längst nicht mehr auf militärische Einrichtungen oder Ölraffinerien. Auch Rechenzentren und andere Wirtschaftsstandorte geraten ins Visier.
Die Ukraine versucht mit solchen Angriffen, die wirtschaftlichen und technischen Fähigkeiten Russlands zu schwächen. Russland wiederum attackiert seit Beginn seines Angriffskrieges regelmäßig die ukrainische Energie- und Kommunikationsinfrastruktur.
Ob die neuen Sicherheitskräfte bei Yandex unmittelbar mit der gestiegenen Drohnengefahr zusammenhängen, bleibt offen. Die Stellenanzeige macht jedenfalls deutlich, welche Anforderungen inzwischen an den Schutz eines großen russischen Technologiestandorts gestellt werden.
