„Berufsverbrecher: AfD-Umfeld verbreitet Halbwahrheiten über Hape Kerkelings Großvater

Comedian Hape Kerkeling ist dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. So zeigt er sich auch im Umgang mit der AfD. Zuletzt sprach sich der 61-Jährige im niederländischen Fernsehen und sogar im Thüringer Landtag für ein Verbotsverfahren gegen die Partei aus. Hierbei geht er auch auf die Vergangenheit seiner Familie ein, denn ein Großvater saß im Konzentrationslager.

Die AfD teilt die direkten Äußerungen Hape Kerkelings nicht und reagiert darauf häufig. Jetzt wird im Umfeld der Partei sogar die Vergangenheit seines Großvaters Hermann Anton Kerkeling thematisiert. Doch dabei wird ein entscheidender Teil seiner Geschichte einfach ausgeblendet.

Diese Details über Hape Kerkelings Großvater verbreitet das AfD-Umfeld

Auf Facebook wirft das AfD-Umfeld Hape Kerkeling vor, die Vorstrafen seines Großvaters auszublenden. Die Behauptung: Die Nazis hätten seinen Großvater als sogenannten „Berufsverbrecher“ ins KZ gesperrt. Das würde der Komiker verschweigen.

Doch ist an den genannten Vergehen wirklich etwas dran? Fest steht: Hermann Anton Kerkeling war tatsächlich wegen Bandendiebstahls verurteilt worden. Doch daraus folgt nicht, dass er später als „Berufsverbrecher“ ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert wurde.

📌 Heftige Reaktionen nach Forderung nach AfD-Verbotsverfahren: Hape Kerkeling muss sich aktuell mit hasserfüllten Kommentaren und Drohungen auseinandersetzen. Die Schmähungen und Drohungen durch Rechsextremisten sind an Brutalität kaum zu überbieten, berichtet der Comedian auf Instagram. Viele Menschen, darunter auch zahlreiche Kollegen, stärken Hape Kerkeling momentan den Rücken.

Dokumente schaffen Klarheit

Die Arolsen Archives, das internationale Zentrum über NS-Verfolgung, haben die Geschichte von Hape Kerkelings Großvater aufgearbeitet. Hermann Anton Kerkeling war Katholik und Kommunist. Im Oktober 1933 wurde er zu insgesamt neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Man lastete ihm 17 Fälle von Vieh- und Sachdiebstählen während der Wirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre an.

Nach Verbüßung seiner Strafe kam Kerkelings Großvater nicht frei. So nahm ihn die Gestapo in sogenannte Schutzhaft. Am 2. Juli 1942 erfolgte dann die Deportation in das KZ Buchenwald.

Rotes Dreieck: Kerkelings Großbater als Kommunist im KZ

Dort registrierte ihn die SS ausdrücklich als politischen Häftling – gekennzeichnet durch ein rotes Dreieck. Seiner Inhaftierung lag ein Urteil wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ im Jahr 1933 zugrunde. Die Nationalsozialisten verurteilten ihn, weil er als katholischer Kommunist kurz nach Hitlers Machtübernahme Flugblätter gegen das NS-Regime verteilt hatte. Bis zur Befreiung des Lagers im April 1945 blieb er dort inhaftiert. Er war somit ein politisch Verfolgter des NS-Regimes.

Und es ist genau dieser Aspekt, der in den AfD-Social-Media-Beiträgen fehlt. Die kriminelle Vergangenheit von Hape Kerkelings Großvater ist belegt. Doch, dass er als Berufsverbrecher im KZ gewesen sei, geben die Dokumente nicht wieder. Er wurde im KZ Buchenwald als politischer Gegner des Hitler-Regimes inhaftiert.

Hape Kerkeling hatte sich erst kürzlich im Thüringer Landtag für ein AfD-Verbotsverfahren eingesetzt. Sein Vorwurf: Die Partei verharmlose und deute die NS-Vergangenheit um. Nun versucht das AfD-Umfeld, die Biografie seines Großvaters zu diskreditieren – und beruft sich dabei ausgerechnet auf die Sprache der Nazis, indem sie ihn als „Berufsverbrecher“ bezeichnet.

Die AfD plant scheinbar einen radikalen Kurswechsel. Was dahintersteckt, erfährst du hier: Abkehr von der Gründungsidee: AfD plant offenbar eine drastische Kehrtwende